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Solarmodul-Arten im Vergleich: Mono, Poly, Glas-Glas, bifazial

Ratgeber · Redaktion · veröffentlicht am 14.10.2026

Solarmodul-Arten im Vergleich: Mono, Poly, Glas-Glas, bifazial

Fachlich geprüft am 14.10.2026 · Redaktion

Solarmodule unterscheiden sich in drei Dimensionen: im Zellmaterial (monokristallin, polykristallin, Dünnschicht), in der Zelltechnik auf dem Wafer (PERC, TOPCon, Heterojunction, Rückseitenkontakt) und im Aufbau des Moduls (Glas-Folie oder Glas-Glas, einseitig oder bifazial). Wer diese drei Ebenen auseinanderhält, versteht Angebote besser und erkennt, welche Begriffe echten Mehrwert beschreiben. Dieser Ratgeber vergleicht die Bauarten mit Kennwerten aus Datenblättern und aus der PV Module List der California Energy Commission.

Monokristallin ist heute Standard

Monokristalline Zellen werden aus einem einzigen Siliziumkristall gesägt. Sie sind gleichmäßig dunkel und erreichen höhere Wirkungsgrade als polykristalline Zellen. In der CEC-Liste liegt der Median-Wirkungsgrad über alle Listungsjahre bei 20,5 Prozent für monokristalline und 15,8 Prozent für polykristalline Module. Von den Einträgen großer Hersteller, die seit 2022 gelistet wurden, sind nahezu alle monokristallin.

Für dich bedeutet das: Die Frage mono oder poly stellt sich beim Neukauf kaum noch. Polykristalline Module begegnen dir vor allem auf älteren Dächern oder als gebrauchte Restposten.

Dünnschicht: Nische für große Flächen

Dünnschichtmodule tragen hauchdünne Halbleiterschichten wie Cadmiumtellurid oder Kupfer-Indium-Selenid auf Glas oder Folie. Fraunhofer ISE nennt für CdTe einen Marktanteil von etwa 5 Prozent. In der CEC-Liste liegt der Median-Wirkungsgrad von CdTe-Modulen bei 17,7 Prozent, von CIGS-Modulen bei 15,3 Prozent. Für dieselbe Leistung brauchen sie also mehr Fläche als kristalline Module.

Eingesetzt werden sie vor allem in großen Freiflächenanlagen und bei Sonderanwendungen, etwa als leichte, flexible Module auf Hallendächern ohne Tragreserve. Auf Einfamilienhäusern sind sie selten.

PERC, TOPCon, Heterojunction, Rückseitenkontakt

Auf dem Wafer entscheidet die Zelltechnik über Wirkungsgrad und Temperaturverhalten. PERC mit passivierter Rückseite war über Jahre Standard. TOPCon nutzt n-Typ-Silizium mit einer dünnen Tunneloxidschicht; das Trina Vertex S+ mit i-TOPCon nennt bis 22,8 Prozent Wirkungsgrad und minus 0,29 Prozent je Kelvin. Heterojunction kombiniert kristallines mit amorphem Silizium; in der CEC-Liste liegt der Temperaturkoeffizient solcher Einträge seit 2022 im Median bei minus 0,23 Prozent je Kelvin. Bei Rückseitenkontaktzellen liegen alle Kontakte hinten; das AIKO Neostar 2P+ erreicht bis 23,8 Prozent und minus 0,26 Prozent je Kelvin.

Neue Fabriken setzen auf n-Typ-Techniken. PERC-Module werden oft günstiger angeboten und funktionieren zuverlässig, verlieren aber bei Hitze etwas mehr Leistung.

Glas-Folie oder Glas-Glas

Beim Glas-Folie-Modul liegt hinter den Zellen eine Kunststofffolie, beim Glas-Glas-Modul eine zweite Glasscheibe. Glas-Glas ist praktisch feuchtigkeitsdicht und mechanisch robust, die Hersteller geben dafür oft 30 Jahre Leistungsgarantie. Fraunhofer ISE nennt Glas-Glas-Module in Ökobilanzen günstig, weil sie geringer degradieren und auf Aluminiumrahmen verzichten können.

Der Nachteil ist das Gewicht. In unserer Auswahl wiegt das Glas-Folie-Modul von Jinko mit 1,95 Quadratmetern 22 Kilogramm, die Glas-Glas-Module mit rund 2 Quadratmetern 21 bis 24,5 Kilogramm. Je Quadratmeter sind die Unterschiede gering, entscheidend ist die Glasstärke. Für Dächer mit knapper Tragreserve lohnt sich der Vergleich.

Bifazial: Strom von beiden Seiten

Bifaziale Module nutzen auch Licht, das auf die Rückseite fällt. Das JA Solar JAM54D40 /LB nennt eine Bifazialität von 80 Prozent plus minus 10 Prozent, also das Verhältnis von Rückseiten- zu Vorderseitenleistung bei gleicher Einstrahlung. Wie viel Licht tatsächlich auf die Rückseite kommt, hängt vom Untergrund und vom Abstand ab.

Auf einem Ziegeldach, auf dem das Modul dicht über dunklen Ziegeln liegt, bringt die Rückseite wenig. Auf einem hellen Flachdach mit Aufständerung, auf Carports oder Freiflächen kann der Mehrertrag spürbar sein. Fraunhofer ISE beschreibt zudem senkrecht aufgestellte bifaziale Module mit Ost-West-Ausrichtung, die morgens und abends besonders viel liefern.

Halbzellen und Full Black

Halbzellen-Module verwenden halbierte Zellen. Weil jede Hälfte nur den halben Strom führt, sinken die Widerstandsverluste. Typisch sind 108 oder 144 Halbzellen; in der CEC-Liste ist 108 die häufigste Zellzahl der 400- und 425-Watt-Klasse. Halbzellen sind heute fast Standard und kein eigenes Qualitätsmerkmal mehr.

Full-Black-Module haben schwarze Zellen, Rahmen und Rückseite und wirken einheitlich dunkel. Im pvXchange-Preisindex lagen sie im September 2026 mit 0,155 Euro je Watt-Peak netto über Mainstream-Modulen mit 0,130 Euro. Ihr Vorteil ist die Optik, nicht der Ertrag.

Welche Bauart passt zu welchem Dach

Für ein typisches Schrägdach eines Einfamilienhauses ist ein monokristallines n-Typ-Modul im Format um 1,75 mal 1,13 Meter eine gute Standardwahl, ob als Glas-Folie- oder Glas-Glas-Modul. Bei knapper Fläche lohnt der Blick auf höhere Wirkungsgrade, etwa Rückseitenkontaktmodule. Bei schlecht hinterlüfteten Dächern zählt der Temperaturkoeffizient.

Auf Flachdächern mit heller Dachbahn und Aufständerung kann ein bifaziales Glas-Glas-Modul Mehrertrag bringen. Auf Dächern mit knapper Statik ist ein leichteres Modul sinnvoll. Wenn die Optik zählt, kommen Full-Black- oder Rückseitenkontaktmodule in Frage.

Gebrauchte Module und Restposten

Im Gebrauchtmarkt und bei Restposten finden sich polykristalline Module, ältere PERC-Module und B-Ware. Der pvXchange-Preisindex führt solche Ware in der Klasse Low Cost, die im September 2026 bei 0,070 Euro je Watt-Peak netto lag, also gut halb so teuer wie Mainstream-Module. Für ein Gartenhaus, eine Inselanlage oder eine Erweiterung mit passenden Kennwerten kann das interessant sein.

Achte bei gebrauchten Modulen auf sichtbare Schäden wie Glasbruch, Verfärbungen, Delamination oder beschädigte Anschlussdosen, auf ein Messprotokoll der aktuellen Leistung und darauf, ob noch Garantie besteht. Für Anlagen mit Einspeisung ins Netz gelten dieselben technischen Anforderungen wie für neue Module, und ein Fachbetrieb muss den Anschluss übernehmen.

Erweitern und Module mischen

Wer eine bestehende Anlage erweitert, findet das alte Modell oft nicht mehr. Unterschiedliche Module im selben String bremsen sich gegenseitig aus, weil der kleinste Strom den String bestimmt. Eine Erweiterung bekommt deshalb meist einen eigenen String an einem freien MPP-Tracker oder einen zusätzlichen Wechselrichter. Für die Vergütung gilt: Die neuen Module bilden eine eigene Anlage mit dem zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme gültigen Satz.

Vergleich in Zahlen

Die folgenden Werte stammen aus Originaldatenblättern. Jinko Tiger Neo 54HL4-B (n-Typ, Glas-Folie): 405 bis 420 Wp, bis 21,25 Prozent, minus 0,30 Prozent je Kelvin, 22 Kilogramm. Trina Vertex S+ NEG9R.28 (i-TOPCon, Glas-Glas): 430 bis 455 Wp, bis 22,8 Prozent, minus 0,29 Prozent je Kelvin, 21,0 Kilogramm. JA Solar JAM54D40 /LB (n-Typ, bifazial, Glas-Glas): 435 bis 460 Wp, bis 23,0 Prozent, minus 0,29 Prozent je Kelvin, 22 Kilogramm. AIKO Neostar 2P+ (Rückseitenkontakt, Glas-Glas): 455 bis 475 Wp, bis 23,8 Prozent, minus 0,26 Prozent je Kelvin, 24,5 Kilogramm.

Die Unterschiede beim Wirkungsgrad betragen damit gut zwei Prozentpunkte. Auf 40 Quadratmetern Modulfläche entspricht das knapp einem Kilowatt-Peak.

Selbst rechnen

Mit dem Modulanzahl-Rechner rechnest du deinen Fall mit offen gelegten Annahmen nach. Alle Werkzeuge findest du in der Rechner-Übersicht, Ertragsdaten für 703 Städte unter PV-Ertrag nach Stadt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen mono und poly?

Monokristalline Zellen bestehen aus einem einzigen Kristall und erreichen höhere Wirkungsgrade; polykristalline aus vielen Kristallen. Neu werden fast nur noch monokristalline Module angeboten.

Sind Glas-Glas-Module besser?

Sie gelten als langlebiger und feuchtigkeitsdichter, sind aber schwerer. Für normale Schrägdächer sind beide Bauarten geeignet.

Lohnt sich ein bifaziales Modul auf dem Hausdach?

Auf einem geneigten Ziegeldach selten, weil kaum Licht auf die Rückseite fällt. Auf hellen Flachdächern mit Aufständerung eher.

Was ist TOPCon?

Eine n-Typ-Zelltechnik mit dünner Tunneloxidschicht, die hohe Wirkungsgrade und gute Temperaturkoeffizienten erreicht und heute bei neuen Modulen verbreitet ist.

Welche Modulart hat den höchsten Wirkungsgrad?

In unserer Datenblattauswahl das Rückseitenkontaktmodul AIKO Neostar 2P+ mit bis zu 23,8 %.

Kann ich alte und neue Module mischen?

Nicht im selben String, wenn Strom und Spannung abweichen. Erweiterungen bekommen meist einen eigenen String oder Wechselrichter.

Beispielrechnung mit offen gelegten Annahmen, keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Planung, Auslegung und Anmeldung übernimmt ein Elektrofachbetrieb.

Redaktion

Recherchiert von der Redaktion Photovoltaik-Panel.de, zuletzt geprüft am 14.10.2026. Zahlen belegen wir mit Quelle und Stand, Beispiele rechnen wir mit denselben Formeln wie die Rechner. Keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Fehler gefunden? Schreib uns.

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